Mandolinen-Orchester Herringen 1924 e.V.
"Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit" (Wadsworth)


Zupfmusik aus Herringen hatte 102 Jahre einen guten Klang !

Das Mandolinen-Orchester Herringen von 1924 löst sich auf. Das ist nach geheimer Abstimmung von 19 anwesenden Mitgliedern das einstimmige Ergebnis einer außerordentlichen Versammlung im Awo-Haus in Herringen. Diese fand am 14. April 2026 statt. 
Schon seit Jahren hatte der Verein mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Bereits im Jahr 2015 bestand unter den Aktiven Zweifel daran, ob das 100-jährige Jubiläum noch erreicht werden könne. Deshalb gab es auch „vorsichtshalber Jubiläumskonzerte“ aus Anlass des 90- und des 95-jährigen Bestehens. Auftrieb bekamen die Zupfmusiker durch die dann ständig ausverkauften Weihnachtskonzerte in der evangelischen Kirche und anschließend im renovierten Gemeindesaal. Und durch viel Engagement und Spaß am Musizieren gelang dann, in Zusammenarbeit mit der 2024 ebenfalls 100 Jahre bestehenden Mandolinen- und Gitarrenvereinigung aus Kamen-Heeren, mit dem Jubiläumskonzert ein musikalischer Höhepunkt.
Vom Bundespräsidenten wurde dem Orchester die Pro-Musica-Plakette verliehen. In einer umfangreichen Jahrhundertchronik wurden die vergangenen Jahrzehnte noch einmal dokumentiert.
Vorsitzender Udo Kath: „Wir hätten unser gutes Publikum gern weiter unterhalten. Dem Mitgliederwunsch entsprechend, hatten wir dafür einiges probiert. Viele Ältere schieden in der Zwischenzeit weiter aus. Trotzdem liegt der Altersdurchschnitt noch bei über 75 Jahren.“ Zuletzt sei den Musikern „mengen- und kräftemäßig“ ein wenig die Puste ausgegangen. Zwei Jahre seien noch erfolgreich in Seniorenhäusern einstündige Kaffeekonzerte gespielt worden. Doch auch damit ist es nun vorbei.
„Unser Dank gilt dem Dirigenten Thorsten Jaschkowitz, der fast 30 Jahre lang durch seine musikalische Leitung die hohe Qualität des Orchesters besonders prägte“, sagt Kath. Jeweils zwei Aktive planen seinen Worten zufolge, zukünftig die benachbarten Orchester in Kamen-Heeren und in Bockum-Hövel als Neuzugänge zu verstärken.
Mit dieser Entscheidung passierte den Herringer Zupfmusikern das, was immer mehr zu beobachten ist. Udo Kath hat im neuen Jahrtausend ein geändertes Freizeitverhalten bei Alt und Jung beobachtet. Für die „mannigfaltigen Vereinsauflösungen in der Kulturlandschaft“ sei diese Entwicklung mitverantwortlich. Eine solch gravierende Veränderung sei in den 1950er-Jahren mit der Einführung des Fernsehens geschehen. Das private Wohnzimmer wurde zum abendlichen Ort der Unterhaltung. Seit Jahren verändern nun laut Kath rund um die Uhr digitale Medien und nun Künstliche Intelligenzen schon vom Kindesalter an die Verhaltensweisen und Werte der Menschen.
Er bedauert diese Entwicklung ausdrücklich. Denn viele Menschen kommunizierten allein am PC oder am Smartphone. „Eine Alternative wäre: Musizieren statt Chatten! Denn nichts ersetzt die selbsterzeugte Amateurmusik. Musik macht kreativ, ist ein wichtiger Teil der Bildung und stärkt die soziale und emotionale Kompetenz“, sagt Kath.
Für einen Fortbestand des Mandolinen-Orchesters jedenfalls war das Interesse aus dem Nachwuchs letztlich zu gering.